18:38 Uhr
Ich hab da einen Mieter bei mir in meinem Haus wohnen. Einen ehemaligen Schul-Bekannten / Nachbarsjungen meiner Mutter.
Der hat hier relativ viele, sehr komische Weltanschauungen, die Ich mich nicht traue hier niederzuschreiben. Aber abgesehen davon, ist er ein ganz okayer Typ, der mir hier in meinem Haus auch schon viel geholfen hat beim Renovieren, Entrümpeln usw.
Eines was Ihn neben Chemtrails und ähnlichem beschäftigt sind “Gifte” oder so, welche man so über die Nahrung aufnimmt. Deswegen hat er sich z. B. an seiner Küchenspüle einen Wasserfilter montiert und benutzt keine Mikrowelle, weil die das Essen verstrahlt oder so ähnlich. Keine Ahnung.
Aber das ist eigentlich nicht das Thema.
Er macht mich aber, wenn wir mal was zusammen essen, weil Ich In eingeladen habe, weil er mir mal wieder was geholfen hat, oder wenn er gerade oben bei mir in der Wohnung ist während Ich etwas esse und oder koch, oft darauf aufmerksam dass dieses oder jenes Lebensmittel bzw. diese oder jene Zubereitung nicht gesund sein weil…
Mikrowellenstrahlen eben, oder Acrylamid oder Rapsöl (das irgendwie unter Zugabe von Erdöl oder so hergestellt werden würde, keine Ahnung, Ich habs auch nicht verstanden), oder zu viel Milch trinken (wenn Ich mir gerade mal wieder aus 2 Litern Milch und einem Beutelchen Suppennudeln eine Milchsuppe zum Mittagessen gekocht habe), oder Glutamat, oder dies, oder das, oder jenes.
Es ist so viel, das kann Ich gar nicht alles aufzählen.
Auch wenn Ich bei meiner Tante bin oder Sonntags mit Ihr telefoniere (meistens geht es bei den Sonntagstelefonaten ums Essen komischerweise) weist Sie mich oft dezent darauf hin dass doch dieses oder jenes Lebensmittel nicht gerade gesund sei, was Ich da essen würde.
Auch andere Menschen weisen mich ab und an auf meinen problematischen Nahrungsmittelkonsum hin.
Da frage Ich mich immer: Warum machen die das?
Und irgendwie ärgere Ich mich dann da auch immer ein wenig.
Denn der Duktus, in dem Sie das Thema mir gegenüber ansprechen, ist einer, der vermuten lässt, diese Leute denken, Ich wüsste nicht, dass das was Ich da mache ungesund und nicht gut für mich ist.
Ich WEISS, dass es nicht gut für mich ist vier Schwenksteaks mit Ketchup zu Mittag zu essen.
Ich WEISS, dass es nicht gut ist mir zum Abendessen 6 Currywürste zu machen.
Ich WEISS, dass das nicht gesund ist von Mittags um 1 bis abends um 12 eine Riesenportion Schinkennudeln bestehend aus einem Pfund Spirelli, 250 g fettem Speck und 10 Eiern zu essen.
Ich WEISS dass das nicht gesund ist zum Abendessen eine Portion Käsespätzle zu verdrücken in der eine Packung Spätzle, 200 g Sahne und 200 g Reibekäse sind.
Und so weiter, und so fort…
Und Ich mache es TROTZDEM.
Mit VORSATZ.
Was Ich eben nicht verstehe, ist dass so viele Leute nicht verstehen, dass Ich mir dessen bewusst bin, dass Ich meinen Körper damit vorsätzlich schädige und mein Leben dadurch verkürze.
Ich hab dafür auch Gründe, die Ich aber weder hier noch diesen Personen gegenüber noch sonst irgendjemandem gerne offenbaren will.
Aber warum meinen alle dass Ich zu dumm bin um zu wissen, dass mir das nicht gut tut?
Warum meinen alle, mich belehren zu müssen, dass mir das nicht gut tut?
Warum meinen alle, dass Ich im Grunde doch eigentlich gesund leben wolle, es aber aus irgendwelchen Gründen nicht hinbekomme?
Warum ist es so schwer zu verstehen, dass jemand sich bewusst selbst schädigen will durch übermässigen Nahrungsmittelkonsum?
Ich hab das Gefühl, wär Ich ein Alkoholiker, würde man mir das weniger übel nehmen. Ich weiss es nicht.
Warum haben die Menschen immer so einen oberlehererhaften Duktus mir gegenüber? Wo kommt das her? Fühlen Sie sich dadurch mir geistig überlegen?
Ich weiss wirklich nicht was das ist. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das (obwohl das Familie ist (Tante, Mama, usw.)) NUR aus Sorge heraus zu mir gesagt wird, weil man Angst um meine Gesundheit hat.
Ich weiss nicht,vielleicht bin da auch Ich mal wieder derjenige der komisch ist, keine Ahnung.
Ich würde das Thema, wenn es um einen Freund von mir gänge oder ein Familienmitglied, vielleicht einmal ansprechen und mir erklären lassen warum sich jemand so verhält, aber dann wärs auch gut. Denken diese Menschen denn, dass es etwas bezweckt, wenn man dieses Thema immer und immer wieder versucht mit mir zu besprechen? Denken die, Mensch, wenn Ich das dem Philipp nur oft genug sage, dass er sich ungesund ernährt und er dadurch früher sterben wird, dann ändert er sein Verhalten?
Ich finde das komisch so zu denken.
Warum sollte Ich das tun?
Warum sollte Ich mein Essverhalten ändern, nur weil Ich früher sterben werde, wenn Ich so weiter mache?
Verstehen diese Menschen denn nicht, dass mein Essverhalten ein Symptom meiner Probleme ist und nicht das Problem selbst?
Ich hab da ein Zitat aus King of Queens, einer Serie die Ich bis vor ein paar Jahren regelmässig gesuchtet hab, nun aber schon eine zeitlang nicht mehr gesehen habe. Am Ende der Folge “Psycho Kisten” (S4E25) sitzen da der kleine Doug Heffernan und der erwachsene Doug Heffernan nebeneinander auf der Couch eines Psychiaters und der Seelenklempner fragt die beiden: “Wieso ist Essen zu so einem wichtigen Faktor in Ihrem Leben geworden?”
Der jüngere Doug sagt dann darauf die sehr weisen Worte: “Ich schätze weil, naja, weil Essen einen nicht verdreschen kann. Und es sagt auch nicht dass man dumm ist Essen ist gut zu einem.”
Das ist es glaube Ich, was viele dünne Menschen nicht verstehen. Dass Essen ein Ersatz ist für Dinge die man gerne hätte aber aus Gründen die andere Leute aber nix angehen nicht bekommen kann.
Es gibt ja nicht umsonst den Begriff des Frust-Fressens.
Essen kann eine Droge sein wie Tabak, wie Alkohol. In Maßen ok, in Massen eben ungesund.
Warum trinken Menschen denn übermäßig viel Alkohol? Warum kifft sich mancher denn die Birne zu?
Weil er dem Alltag entfliehen will, weil er seine Probleme die er nicht in den Griff bekommt (oder die er nicht in den Griff bekommen kann, weil äussere Faktoren oder absolut unveränderliche Gegebenheiten vorliegen, die verhindern dass er etwas ändern kann) überdecken will.
Bei mir ist es beim Essen genauso.
Es gibt Dinge in meinem Leben, die nicht veränderbar sind, und die dadurch dass Sie so sind wie sie sind, Dinge verhindern, die notwendig wären, damit Ich in bestimmten Lebensbereichen glücklich werden kann.
Und diesen Frust darüber, kompensiere Ich eben teilweise mit Essen.
Das sind aber Probleme, die Ich ungern jedermann aufs Brot schmieren will. Das sind Dinge, die wissen ein, vielleicht zwei Menschen auf diesem Planeten. Das sind Probleme, die nicht mal meinen engeren Verwandtenkreis etwas angehen.
Ich finde es daher vermessen, glauben zu können, dass man jemandem der fett ist, so wie Ich, einfach einen schwachen Willen unterstellen, der verhindert dass er abnehmen will.
Was Ich aber auch kritisch sehe, ist diese ganze Body-Positivity Bewegung. Dort geht es ja geradezu darum das zu feiern, was nicht gesund ist. Das kann auch nicht der richtige Weg sein.
Leben und leben lassen ist da eher schon immer mein Lebensmotto. Das gilt nicht nur für diesen Bereich.
Das geht mir auch in anderen Lebensbereichen so. Mich nerven auch dies andauernde LGBTirgendwas in den Medien. Immer wenn Ich sowas seh, denke Ich: HALLO! Wir haben 2024! Warum muss das immer noch so explizit in den Medien als was besonderes dargestellt werden? Ist das nicht mittlerweile so normal, dass man es gar nicht mehr thematisieren muss? Dass das immer noch so thematisiert wird, ist für mich so als würden wir 2024 noch darüber reden ob Frauen Hosen tragen dürfen sollen. Das stellt doch auch keiner mehr in Frage.
Aber das ist ein anderes Thema.
Tja, warum Ich das nun alles hier aufgeschrieben hab, weiss Ich ehrlich gesagt auch nicht.
Was mich auch stört ist wenn dann einer ankommt und sagt: “Ja aber Ich muss mit meinen Krankenkassenbeiträgen deinen Diabetes mitbezahlen den du bekommst weil du zu fett bist!”
Na und! Sag Ich dann immer. Es gibt nunmal eben ein Recht auf gesellschaftlich finanzierte Selbstschädigung!
Wenn einer sich beim Bungeejumping den Hirnkasten einschlägt fragt auch keiner ob es denn gerecht ist, dass die Solidargemeinschaft nun ein leben lang für seine Pflege aufkommen muss. Das ist verdammt noch mal Ihre scheiss Aufgabe! Wir leben eben nunmal in einer Solidargemeinschaft!
Und dann immer diese: Ja wenn das alle machen würden…
Ich kann den Scheiss echt nicht mehr hören!
Ja, wenn ALLE ein Auto ätten, dann…
Ja, wenn ALLE mit dem Flieger in den Urlaub fliegen würden, dann…
Ja, wenn ALLE …
Es machen aber nicht alle! Deswegen funktioniert das System ja auch, weil eben nicht ALLE Bungeejumping machen wollen!
Weil sich eben nicht ALLE zu Tode fressen wollen…
Deswegen funktioniert es eben!
So.
Jetzt hab Ich keinen Bock mehr zum schreiben.
Ich geh mir jetzt die Wampe vollhauen!
Ich habe fertig!

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