Ich finde es interessant, wie tief bei meiner Mutter das Trauma der Weihnachtsfeiertage meiner Kindheit sitzen muss, so dass sie bei jeder Gelegenheit betonen muss, dass das dieses Jahr doch mal wieder sehr ruhige Feiertage sind.
Wenn Ich an die Weihnachten meiner Kindheit zurück denke, dann war das immer so, dass wir am Heiligabend zu Hause waren, als die Eltern meines Vaters noch lebten haben wir mit denen zusammen Bescherung gemacht.
Am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag ging es dann je an einem Tag zu den Eltern meiner Mutter bzw. zu einer Tante meiner Mutter.
Für meine Mutter war das anscheinend immer Stress.
Einerseits weil Sie damals noch so eine Frau war, die sich drei Stunden nicht entscheiden konnte was Sie anzieht, andererseits weil Teile meiner Verwandtschaft wirklich anstrengend waren.
Bei der Tante musste man gefühlt jedes Wort auf die Goldwaage legen, es war ein Haushalt in dem viel Geld zu Hause war, dementsprechend waren auch die Feiertage ein wenig etepetete.
Als Kind machte mir das gar nichts aus, Ich ging gerne zu meiner Tante. Oft hab Ich da übernachtet, war sogar einmal mit Onkel und Tante und dann später mit meiner Tante alleine mal im Urlaub. Aber als Ich älter wurde und hinter die Fassade blicken konnte, verminderte sich der Kontakt bis er schliesslich ganz einschlief.
Das letzte mal sah Ich meine Tante, da war mein Onkel schon 7 Jahre tot, als Ich bei einer Nachbarin ein Hausnotrufgerät in Tätigkeit meines Zivildienstes anschloss und dachte, Ich kann da jetzt nicht direkt vor Ihrem Haus rumlaufen ohne mal zu klingeln.
Zu Oma und Opa bin Ich immer gerne gegangen, zumindest so lange Oma noch lebte.
Doch wenn Ich an die Weihnachten mit Oma, Opa, Onkeln und Tante sowie Mama, Papa und Ich mit meiner Cousine und meinem Cousin zurück denke, hab Ich eher gemischte Gefühle.
Wenn man älter wird, reflektiert man vieles mehr und legt die rosarote Kindheitsbrille ab.
Einerseits war es immer schön, dass die ganze Familie beisammen saß, Oma kochte und Opa laß eine Weihnachtsgeschichte vor.
Andererseits kochte eben NUR Oma und kaum jemand half Ihr, die Weihnachtsgeschichte von Opa war nur mehr aufgesetzte Fröhlichkeit und nach dem Essen und den Geschichtchen ließ sich mein Opa mit meiner Tante und meinem Onkel zusammen volllaufen und es gab regelmäßig Streit und Schreiereien.
Das gipfelte dann darin, dass meine Oma entschied mich und meine Eltern an Weihnachten nicht mehr zusammen mit meiner Tante und Ihrem Mann einzuladen.
Ach so: Und die Schwerster meines Vaters nebst Mann und Cousine musste da auch noch irgendwie mit einem Besuch zum Geschenketausch eingebaut werden.
Ach ja….
Das müssen für meine Mutter belastende Jahre gewesen sein.
Da kann man verstehen, wenn sich Mama darüber freut, an Weihnachten nicht das Haus verlassen zu müssen.
An Heiligabend waren wir zusammen und haben die obligatorischen Nudeln mit Lachsrahmsauce gegessen. Eine gefühlt 38 jährige Tradition. Am 1. waren mein Cousin nebst Frau da, es gab mega leckeren selbst eingelegten Sauerbraten und am 2. war jeder für sich alleine. Ich hab mir da einen Schweinebraten mit selbstgemachten Schneebällchen und Speckbohnen gemacht. Läääääcker!
Silvester war auch entspannt. Nur Mama und Ich. Wir aßen lecker Raclette und schauten Mr. Bean im Fernsehen.
Ja, so könnte es für die Zukunft gerne bleiben, da hätte Ich nichts dagegen.

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