Ich war heute Abend nach Feierabend im Hornbach und hab mir so eine Bohrkrone gekauft um ein Loch in meine Hauswand zu bohren, damit Ich da den Schlauch meiner Klimaanlage durchstecken kann, die Ich hier im Büro stehen habe.
Die lief nämlich am Freitag und heute den ganzen Tag, während Ich hier gearbeitet habe. Kein Wunder, bei Spitzentemperaturen von bis zu 34 Grad (und es wird noch heisser!).
Ich hab im Moment so eine Art Stoff-Dingsi mit Reissverschluss, was man so an den Fensterrahmen und -flügel kleben kann um da dann den Abluftschlauch durchzustecken.
Leider ist das nicht ganz Luftdicht und ausserdem kommt trotzdem, auch wenn Ich den Rolladen unten hab, warme Luft durch, “strahlend” und nicht “ziehend”. Ich denke Ihr wisst was Ich meine.
Da nun nicht abzusehen ist, dass die Sommer in den kommenden Jahren eher kühler werden sondern wohl eher heisser, denke Ich, dass diese kleine Klimaanlage, die Ich mir hier letztes Jahr gekauft habe, wohl zukünftig jedes Jahr laufen wird.
So dachte Ich mir, mach doch Nägel mit Köpfen und schliess das Ding gleich richtig an.
Gesägt getan: Auf Amazon gabs den Wanddurchlass mit Gitter (kommt am Mittwoch) und bei Hornbach eben die Bohrkrone.
Das hat, wenn Ich es denn dann mal angeschlossen habe, auch den Vorteil, dass wenn man den Raum dann mal ordentlich runtergekühlt hat, das dann die Kälte auch ne zeitlang hält, da ja nicht durch ein offenes und nur mit dünnem Stoff bespanntem Fenster die Hitze wieder reinkommt. Mit Loch muss die Klimaanlage also auch weniger laufen.
Aber all das soll ja eigentlich nur die Einleitung zu meinem Hauptthema sein.
Als Ich dann also erfolgreich meine Bohrkrone gekauft habe, dachte Ich mir so: Boah, zum kochen hab Ich zu Hause nun aber keine Lust mehr. Zu faul und ausserdem viel zu warm, lass mal aufn Einsell (Einsiedlerhof, ein Stadtteil von Kaiserslautern) zum “Chinamann” fahren.
So fuhr Ich also dahin und bestellte und genoss meine Knusperente süssauer mit Bratnudeln. Lääääääcker!
Als Ich dann so meinen Blick gen Nachbartisch schweifen liess, sah Ich zwei Amerikanerinnen mit einem Kleinkind da sitzen. Die beiden Damen schnatterten fröhlich und laut vor sich hin (das ist soweit nicht ungewöhnlich, die Amis hier sind oft sehr laut, die merken das nicht) und das Kind wurde mit einem Handyvideo bespaßt.
Irgend eine Trickserie, die man natürlich über Lautsprecher hörte, da man ja einem (keine Ahnung) zweijährigen Kind schlecht Kopfhörer aufsetzen kann.
Das brachte mich ins Nachdenken.
Über mich, meine Kindheit und den Wandel der Zeiten im Allgemeinen.
Ich erinnerte mich an meine Kindheit und wie man damals verzweifelt versucht hat, mich im Restaurant zu bespaßen, damit Ich Ruhe gab und nicht den ganzen Saal unterhielt (ja, Ich war teilweise ein sehr lebhaftes Kind, was, wenn man mich und meine buddhamässige Ausgeglichenheit von heute kennt, schwer vorstellbar ist. Aber es war so. Ich schwör!).
Wir hatten Kartenspiele oder Bilderbücher bzw. dann später, als Ich selber lesen konnte, Kinder- und Jugendbücher dabei oder Ich hatte den Walkman mit Benjamin Blümchen Kassetten. Oder Papa hat sich irgend ein Spiel ausgedacht (Ich sehe was was du nicht siehst) usw.
Irgendwie stand Ich oft, wenn wir essen gingen, im Mittelpunkt.
Nun kann man retrospektiv darüber nachdenken, ob das gut oder schlecht ist und man kann auch darüber streiten ob es einen Unterschied macht, ob man ein Kind vor einem Hörspiel auf dem Walkman oder einen Buch parkt oder ob es wie heute ein Smartphone sein muss.
Ich geb zu, Ich bin dann da irgendwie gleich so in den Beissreflex gerutscht von wegen: Die bösen Eltern parken das arne, kleine, unschuldige Kind vor dem Handy damit Sie Ihre Ruhe haben! Das kann ja nicht gut sein, weil…. ja… weil…. ehm…. ja… weil eben! Basta! Das weiss man doch, dass das nicht gut ist, weil… ja… das weiss man eben! Modernes Zeugs und so und überhaupt und sowieso und… ach Ihr wisst doch was Ich meine! Alles Teufelszeug!
Doch dann kam Ich ins Nachdenken.
Ist das wirklich so ein Unterschied ob man sein Kind im Restaurant vor einem Buch oder einem Smartphone parkt? Zur Verteidigung, der Kind war wie gesagt höchstens 2 Jahre alt und konnte noch nicht lesen.
Und ausserdem kannte Ich die zwei Damen überhaupt nicht. Ich wusste nicht, was Sie den ganzen Tag gemacht haben, ob Sie vielleicht einen stressigen Arbeitstag hatten in der Hitze und froh waren am Feierabend, so wie ich, einfach mal nichts kochen zu müssen und im kühlen, klimatisierten Restaurant einfach mal den Feierabend genossen. Usw. Vielleicht fuhren sie nach dem Essen mit dem Kind ins Schwimmbad oder kamen von da, vielleicht kamen Sie gerade vom Spielplatz usw.
Ich ertappte mich selbst bei dem was Ich anderen Leuten oft vorwerfe, nämlich sich bei unklarer und dünner Faktenlage in einer vermeintlich einfachen aber in Wahrheit doch komplexen Situation ein vorschnelles Urteil zu fällen.
Vielleicht sollten das mehr Leute mal beherzigen und weniger oft vorschnelle Schlüsse aus Situationen ziehen, die sich nicht ganz überblicken können…

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